Michael Gotthard Fischer (1773-1829)
Geboren wird Fischer am 3. Juni 1773 in Alach bei Erfurt. Sein Lehrer in Erfurt ist Johann Christian Kittel, Organist an der dortigen Predigerkirche und einer der letzten Schüler Johann Sebastian Bachs. Bevor Fischer 1809 Kittels Nachfolge antritt, ernennt ihn der kunstsinnige Freiherr von Dalberg bereits um 1796 zum Organisten an der Erfurter Barfüßerkirche und zum Leiter der städtischen Winterkonzerte. Schon als Schüler hat Fischer für das dort angesiedelte Orchester Werke arrangiert, einstudiert und auch mit eigenen Kompositionen anspruchsvolle Konzertprogramme zusammengestellt.
Er wird daraufhin zum Konzertmeister des Orchesters und gilt als verheißungsvoller Komponist der Stadt.
1799 veröffentlicht er sein Opus 1, zwei Streichquartette, 1802 eine „Grande Sonate“ für Klavier, 1803 eine Sinfonie für großes Orchester, 1804 ein Klavierquartett F-Dur op. 6, wiederum ein Jahr später ein Fagottkonzert, gefolgt 1806 von einem Streichquintett und 1808 von einem Doppelkonzert für Klarinette, Oboe und Orchester. Eine Sonate für Klavier zu vier Händen folgt im Jahr 1810 – dem Jahr, in dem Fischer in gewisser Weise auch Musikgeschichte schreibt:
In der hochangesehenen „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ erscheint seine Besprechung von Beethovens 6. Sinfonie, nur zwei Jahre nach deren Uraufführung und ein Jahr nach der Veröffentlichung des Stimmenmaterials – es ist eine der überhaupt ersten Rezensionen des Werks.
Im selben Jahr bearbeitet er die „Pastoralsinfonie“ für die seinerzeit noch ganz außergewöhnliche Streichsextett-Besetzung. Die Hintergründe der Entstehung dieser Bearbeitung sind bislang nicht bekannt – abgesehen davon, dass Sinfonik im kammermusikalischen Taschenformat en vogue war und Profis wie Laien die Möglichkeit bot, Orchesterwerke abseits von seltenen Konzertaufführungen durch eigenes Musizieren kennenzulernen.
Fischer gelingt es im Sextett durch geschickte Staffelung der Instrumente und Verteilung des thematischen Materials auf deren unterschiedlichen Oktavlagen immer wieder, einen Eindruck von Klangexpansion oder auch Flächigkeit zu erzielen, der der Feinheit oder auch der Wucht des Originals vergleichbar ist. Man wird in dieser „entschlackten“ Fassung hier und da sogar eine größere Intimität bemerken können. Und da, wo Steigerungen in Fortissimo-Passagen gipfeln – etwa in der Durchführung des ersten Satzes –, wird womöglich eine noch größere Intensität zu spüren sein, da die sechs Instrumente mit
ihren klanglich begrenzten Mitteln hier notwendigerweise an Grenzen stoßen müssen.
Rafael Rennicke (Auszug aus dem Booklettext zur CD der PARNASSUS AKADEMIE)
